Manche Dinge im Texterinnen-Leben sind sehr seltsam. Ich könnte diese Geschichte auch erlebt haben. Sie ist heute wirklich passiert, irgendwo in Deutschland – allerdings nicht mir. Um die Umstände zu verschleiern, tu ich trotzdem mal so, als wäre ich dabei gewesen.
Heute war Präsentation. Der Kunde war mit den Texten für die neue Website noch nicht so zufrieden. Mein Team hatte den Eindruck, er käme mit der Form nicht klar, da er ein nacktes Worddokument ohne Bilder bekommen hatte, in dem auch noch seltsame Kürzel wie „Header“ und „Copy“ standen. Also hatte unser Grafiker zehn Beispielseiten auf Papier gestaltet, und wir hatten die Schlüsseltexte der Site eingefügt.
Sichtlich glücklich knisterte der Kunde mit dem Papier, während ich ihm Absicht und Tonalität des Textes erläuterte. Schließlich kann man nicht überall und für jeden gleich schreiben.
Mein Kunde ist ein charakterstarker Mann, der genau weiß, was er will. In seinem überregionalen Unternehmen hält er die Zügel fest in der Hand. Er ist gebildet, hat gute Kontakte und lässt sich kein X für ein U vormachen. Vor allen Dingen nicht bei Texten, in denen es um sein Unternehmen geht. Um darüber zu schreiben, braucht man eine ganze Menge Fach- und Hintergrundwissen. Das haben nicht viele Leute.
Meinen Ausführungen über die Texte an und für sich lauschte er aufmerksam, stimmte mir auch zu. Ich war schon mal erleichtert. Dann beugte er sich vertraulich vor:
„Eins wüsste ich ja noch gerne: Woher haben Sie die Texte eigentlich?“
Ich kann mich nicht erinnern, wie lange ich bewegungslos da saß. Dann musste ich sehr lachen und meinte:
„Och, das ist mein Beruf. Die schreibe ich!“
„Aber hören Sie mal, die klingen doch wie aus dem Buch.“
„Naja, es ist auch meine Aufgabe so zu schreiben, dass man es zum Beispiel drucken kann.“
„Und woher wissen Sie das alles?“
Ich habe mit den Fachleuten in seinem Betrieb gesprochen. Ich habe Fachartikel gelesen, online und offline. In manchen Fällen rufe ich auch noch Dritte an. Ich lasse mich durch Betriebe führen, ich stelle angenehme und auch unangenehme Fragen. Wenn irgend möglich, versuche ich alles über das Unternehmen herauszubekommen, seine Stärken, seine Schwächen, das, was es einzigartig macht. Schließlich stelle ich es optimal und informativ dar.
Wenn mir das gut gelingt, entsteht eine Broschüre oder Website, die dem Unternehmen neue Kunden bringt. Und das ist doch eine ganze Menge!
Am Ende des Termins beugte sich mein Kunde übrigens nochmal vor:
„Wissen Sie, ich habe da einen Text, keinen langen. Nur so eine Pressemeldung. Die schreibe ich ja immer selbst. Dürfte ich Ihnen die mal zeigen? Ich lerne doch so gern noch dazu!“


Ja. So issess. Ich erinnere mich gerne an diese Lungenärztin, die auf meine Aussage, ich wäre Texterin, erstmal guckte und dann meinte: „Das hat aber nichts mit Schadstoffen zu tun, oder?“ ;-))
Aber wirklich schlimm finde ich dann: „Ah, Sie schreiben Texte! Sie sind also Sekretärin!“
GRMPF.
Ich bin als Kommunikationswissenschaftlerin auch oft den Telekomikern zugeordnet worden.
Aber diese Lungenärztin schießt wohl den Vogel ab! Pneumologen, die machen doch was mit Autoreifen, oder?
Au backe. Aber umso schöner die „wundersame Entdeckung“ da oben, gell?
Ohne gleich eine Selbsthilfegruppe gründen zu wollen, in der wir uns alle was vorweinen können: Ihr habt Recht.
Wenn man Leuten erzählt, dass man Texte schreibt, gibt es mitleidige oder sogar besorgte Blicke.
Schön wenn Du nun mal jemanden aufgeklärt hast.
Und mt diesem Blogbeitrag hast Du ja auch noch ordentlich auf die Werbepauke für Dich gehauen… ;)
@Scheff:
Die Sache ist textdeluxe ja nicht selbst passiert.
„Ich könnte diese Geschichte auch erlebt haben. Sie ist heute wirklich passiert, irgendwo in Deutschland – allerdings nicht mir.“
Also schreibt sie quasi stellvertretend für die gesamte Texterzunft. Denn so arbeiten gute Texter eben. Und das muss auch mal gesagt werden!
Wie, was, Werbepauke? Also werden mir hier Lügen unterstellt, wenn ich schreibe, dass das nicht mir passiert ist. Also sowas.
Danke fürs Aufklären, BFreith!
Na Ihr habt ja Humor! :roll:
Sorry, ich wollte keine Lüge unterstellen.
Hatte den zweiten und dritten Satz wohl überlesen oder am Ende ob meiner Begeisterung für das Thema schon wieder vergessen.
:-)
Und ich hatte in Kommentar 5 doch nur das ;-) vergessen.
Das erinnert mich an einen Lehrer, der mir einst vorwarf, ich solle gefälligst lernen, was er an die Tafel schreibt und nicht irgendwelche anderen Bücher kaufen und die Texte daraus auswendig lernen.
Dass es das „fremde Buch“ nie gegeben hat, war ihm nicht klar zu machen – er begriff nicht, dass es Menschen gibt, die selbstständig druckreife Sätze formulieren können.