Ich trauere um einen Text.
Sein Tod kam zu früh, er war sinnlos, er macht mich wütend.
Es war ein guter Text. Es war ein noch junger Text. Woran er starb? An Missachtung, an Gedankenlosigkeit, an laienhafter Eigenmächtigkeit – an mangelnder Wertschätzung seiner Urheberin gegenüber.
Diese noch junge, brillante Komposition, von der viel zu erwarten war, sie war auserkoren, ein Start-up-Unternehmen auf dessen Website zu bewerben. Sie war ausgereift, sie brachte wesentliche Fakten ohne Umschweife auf den Punkt, sie hatte Stil und Witz.
Der Tod kam hinterrücks und unerwartet. Die Praktikantin des Unternehmens, dieses äußerlich so unschuldig wirkende Lämmchen, sie wurde zur Handlangerin des Texttodes. Der Befehl zur Hinrichtung erging zwischen Bürotür und Kaffeeküche: „Es gibt da ein paar neue Fakten, die sollen auch noch auf die Website. Aber wir sparen uns die Texterin, das geht schließlich schnell, das machst du mal eben für uns. Schreib einfach für jeden Menüpunkt noch was dazu!“

Es ist zum In-die-Tischkante-Beißen! Bild: S. Hofschlaeger, pixelio.de
Hier breche ich ab, ich möchte nämlich den Rest des Tages gerne damit verbringen, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen. Drei Monate intensiver Text- und Konzeptionsarbeit – und die Referenz ist an einem einzigen Nachmittag flöten gegangen!
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